KOMMERZIELLES NUTZUNGSRECHT


Wer selber Waren herstellt, welche er/sie zum Verkauf anbietet und verkauft, muss als Verkäufer/in auch das "Kommerzielle Nutzungsrecht" für seine Produkte besitzen. Das tönt im ersten Momment vielleicht etwas kompliziert und übertrieben, doch mit ein paar einfachen Abklärungen lassen sich unter Umständen spätere, unliebsame Überraschungen vermeiden. Natürlich ist jede/r Verkäufer/in am Ende selbst für seine/ihre angebotenen und verkauften Produkte verantwortlich. Vielleicht sind Sie aber auch schon Meister/in auf diesem Gebiet. Denn noch möchten wir Ihnen mit den nachfolgend aufgeführten Punkten ein paar wichtige Infos bezüglich Nutungsrecht aufzeigen, welche Ihnen vielleicht auf dem einen oder anderen Weg nützlich sein können. Danke.

 

 

WIR HABEN ES GEKAUFT, DANN DÜRFEN WIR ES AUCH VERWENDEN

Dies ist leider ein weit verbreiteter Irrtum. Denn wenn man etwas kauft (und dazu gehört auch Material aus dem Bastelladen) hat man  damit das Recht erworben, es für die private Nutzung zu brauchen. Nicht aber für die kommerzielle Nutzung. Hier finden Sie eine Liste an Beispielen (die Liste ist nicht vollständig), wofür das alles gilt.

 

STOFFE

Das gilt vor allem für Stoffe mit Mustern, unifarbene Stoffe sind in der Regel ausgenommen. Auf jeden Fall gilt es für alle Stoffe, die mit bekannten Figuren bedruckt sind (Pippi Langstrumpf, Hello Kitty, Biene Maja und alles, was es an Film/Fernsehen/Comic-Vorlagen so gibt).

 

SCHNITTMUSTER / ANLEITUNGEN

Egal ob aus einem gekauften Heft oder als Freebie aus dem Internet: In der Regel sind Schnittmuster und Anleitungen nur für den privaten Gebrauch gedacht.

 

SCHRIFTEN

Auch Schriften sind geschützt. Es gibt aber im Internet viele lizenzfreie Schriften, auch kostenlos, wenn man danach sucht.

 

STEMPEL

Hier hat sich bereits jemand viel Mühe gemacht, herauszufinden, welche Stempel man im kleinen Rahmen auch kommerziell Nutzen darf. Wenn Sie mit Stempeln arbeitet, empfehle ich Ihnen diese Seite sehr: http://www.zeit-zum-basteln.de/copyrights-stempelfirmen/

 

PLOTTERDATEIEN

Das übliche: Gekauft heisst nicht, dass Sie damit erstellte Produkte weiterverkaufen dürfen. Gilt auch für Freebies.

 

STICKDATEIEN

Das übliche: Gekauft heisst nicht, dass Sie damit erstellte Produkte weiterverkaufen dürfen. Gilt auch für Freebies.

 

BILDER / ILLUSTRATIONEN

Egal ob aus einem Katalog, einem Buch, aus dem Internet... Nein, Sie dürfen sie nicht einfach nutzen, weiterverbasteln und das Ergebnis verkaufen. Aber es gibt gute Alternativen: Suchen Sie nach (kostenlosen) lizenzfreien Bildern oder geben Sie ein wenig Geld auf Stockphoto-Websites aus. Damit unterstützen Sie dann auch noch den Künstler. Oder Sie zeichnet einfach selber was. Was eigenes, natürlich. Eben nicht Snoopy oder Biene Maja bitte;) Schlussendlich können Sie auch einen Illustrator oder Grafiker anfragen, ob er speziell für Ihre Wünsche was entwirft. Das kostet dann natürlich was, aber Sie können dann genau mit ihm aushandeln, wofür Sie diese Bilder nutzen dürfen. Und zwar je nachdem eben nur Sie, und niemand anders.

 

BEKANNTE FIGUREN (DISNEY, HELLO KITTY, STAR WARS, BIENE MAJA, COMICS, FILME, BILDERBÜCHER USW.

Absolutes No-Go. Lassen Sie bitte die Finger davon.

 

NACHAHMUNGEN BERÜHMTER KUNSTWERKE (ZB.NIKI DE SAINT PHALLE, PICASSO USW.

Da müssen Sie genau abklären, wer die Rechte am Bild hat, ob dieser eine gewerbliche Nutzung erlaubt oder ob das Bild (zB durch sein Alter) nicht mehr geschützt ist.

 

MARKEN WIE DINSNEY, HELLO KITTY, NIKE USW.

Diese sind rechtlich geschützt also NEIN.

 

BASTELARTIKEL

Das übliche: Gekauft heisst nicht, dass Sie damit erstellte Produkte weiterverkaufen dürfen. Aber fragen Sie doch einfach bei Hesteller nach ob Sie es zum basteln für den Verkauf verwenden dürfen.

 

WOLLE

Hier habe ich noch nie davon gehört, dass aus Wolle gestrickte Artikel nicht weiterverkauft werden dürfen (Achtung: Gilt nur für die Wolle, nicht für Strickmuster!). Sicherheitshalber kann man natürlich nachfragen.

 

SCHNITTMUSTER / BASTELANLEITUNGEN AUS DEM INTERNET

Das übliche: Gekauft heisst nicht, dass Sie damit erstellte Produkte weiterverkaufen dürfen. Gilt auch für Freebies.

 

MOTIVPAPIERE

Das übliche: Gekauft heisst nicht, dass Sie damit erstellte Produkte weiterverkaufen dürfen. Gilt auch für Freebies.

 

SERVIETTEN

Das übliche: Gekauft heisst nicht, dass Sie damit erstellte Produkte weiterverkaufen dürfen. Gilt besonders, wenn bekannte Figuren aus Comic/Film und Co abgebildet sind. Ich habe sagen hören, dass viele Serviettenhersteller absolut dagegen sind, dass ihre Produkte in Form von Serviettentechnik weiterverkauft werden.

 

WEBBÄNDER

Das übliche: Gekauft heisst nicht, dass Sie damit erstellte Produkte weiterverkaufen dürfen. Gilt besonders, wenn bekannte Figuren aus Comic/Film und Co abgebildet sind.

 

BARBIEKLEIDER

Soviel ich weiss, ist der Verkauf von selbstgemachten Barbiekleidern nicht erlaubt. Eigentlich logisch, Mattel will schliesslich seine eigenen Kleider verkaufen.

 

WACHSTUCH / WERBEPLANEN

Je nachdem, wofür auf der Plane geworben wird, dürfen Sie diese nicht einfach vernähen und verkaufen. Fragen Sie unbedingt vorher beim Hersteller an! (Beispiel: Eine Werbeplane von Nike wird zur Tasche vernäht, das NikeLogo ist gut sichtbar - Absolutes NoGo! Gilt natürlich nicht nur für grosse und bekannte Marken, sondern auch sonst)

 

STANZTEILE (CUTTLEBUG, BIGSHOT)

Das übliche: Gekauft heisst nicht, dass Sie damit erstellte Produkte weiterverkaufen dürfen.

 

GESCHENKPAPIER

Das übliche: Gekauft heisst nicht, dass Sie damit erstellte Produkte weiterverkaufen dürfen.

 

 

Ach du Sch*****, denken jetzt sicher einige. Dann darf ich ja gar nichts davon nutzen) Aber keine Sorge, so schlimm ist es nicht!

Es ist nur so, dass Sie es vorher abklären müssen. Sehr viele Firmen erlauben zum Beispiel, dass man mit ihrem Material oder ihren Anleitungen kleine Auflagen für den Verkauf auf Hobbymärkten erstellen darf. Also fragen Sie einfach beim Hersteller nach. Oder lesen Sie die AGBs des Anbieters, da steht in der Regel sehr genau, was man darf und was nicht. Oft gibt es die Möglichkeit, für wenig Geld eine Lizenz zur kommerziellen Nutzung zu erhalten. Gerade bei Freebies aus dem Internet ist das oft so: Man darf die Schnittmuster und Anleitungen gratis nutzen für den privaten Gebrauch, wenn man aber Geld damit machen will, zahlt man eine kleine Gebühr an die Hersteller. Schauen Sie übrigens einfach mal in Ihre Bastelbücher rein: In 99,9 % aller Fälle steht irgendwo, dass die Anleitungen nur für private Zwecke gedacht sind. Der Kauf eines Buches oder von Material ist also noch lange kein Freifahrtschein, um damit Geld zu machen.

 

UND WAS WENN DA NICHTS STEHT? DARF ICH DANN?

Nein! Aber fragen Sie doch beim Ersteller des Bildes oder dem Hersteller des Materials einfach lieb an. Firma googlen, Kontakt finden, kurze E-Mail schreiben. Das ist ja kein Ding. Nicht abschrecken lassen, wenn mal ein Hersteller Nein sagt, der nächste sagt vielleicht ja.

 

Und was, wenn man auf dem Grabbeltisch mal wieder ein Eckchen hübschen Stoff gefunden hat, aber natürlich keine Ahnung, wer der Hersteller ist? Oder von der Freundin vor Jahren diese hübschen Webbänder, leider ohne Verpackung? Dann kann man ja gar nicht rausfinden, ob man es nutzen darf (für den Verkauf) oder nicht, oder? Ja, stimmt. Aber die Antwort ist leider nicht: „Du kannst dann nix dafür, also nutze es.“ Sondern: „Du weisst es nicht, also lass es.“

 

Ja, das ganze ist mit etwas Aufwand verbunden. Aber nicht so viel, wie es sich im ersten Moment vielleicht anhört. Die Grundregel ist ganz einfach: Hat jemand Zeit und Geld in ein Design gesteckt, dürfen Sie es nicht einfach kommerziell Nutzen! Sie dürfen aber jederzeit beim Hersteller anfragen. Am besten gleich sagen, wozu und in welchem Rahmen.

 

ALS BEISPIEL

Guten Tag Ich bin auf ihr wunderschönes Produkt XY gestossen. Für Hobbymärkte kreiere ich YX und würde das Produkt sehr gerne dafür verwenden. Es handelt sich um höchstens XX Produkte pro Jahr. Darf ich ihr Produkt XY dafür nutzen?